2017.11.20
Unsere Einrichtungen
13. június 2017.
Streetwork


Träger: Evangelische Brüdergemeinschaft Ungarns


Auf der Grundlage einer im Jahr 2004 geschlossenen Kooperationsvereinbarung mit der Selbstverwaltung des V. Budapester Bezirks hat der Karitative Verein Oltalom die Straßensozialarbeit sowie die Tages- und Nachtversorgung für obdachlose Personen, die sich im Bezirk aufhalten beziehungsweise dort eine Aufenthalts- oder Wohnadesse besitzen, übernommen. Die im V. Bezirk geleistete Straßensozialarbeit und die Dienste der Beheizten Straße ergänzen einander. Daraus folgt, dass sowohl die Nachtschlafstelle als auch die in der Wintersaison betriebenen Krisenstellen, die Beheizte Straße, die Tageswärmestuben, die Volksküche und das medizinische Versorgungssystem zur Verfügung stehen, einerseits damit wir uns über die Lebensform der obdachlosen Personen auf der Straße sowie deren Aufenthaltsort informieren können, andererseits damit wir mit diesem institutionellen Hintergrund die Straßensozialarbeit komplex leisten können.


Dank unserer zweiundhalbjährigen Ortskenntnis haben immer mehr Menschen Vertrauen zu uns gefasst und unsere soziale Hilfestellung auf der Straße und in unseren Einrichtungen in Anspruch genommen.


Seit 2005 nehmen an dieser Arbeit neben den beiden Streetworkern auch die diensthabenden Sozialarbeiter der Beheizten Straße teil. Auf diese Weise hat sich ein vertrauensvolles Beziehungssystem herausgebildet, auf Grund dessen sich die Menschen, die von der Straße zu uns kommen, in Sicherheit fühlen.
Mit Beginn der Krisenperiode suchen wir mit größerer Intensität, zweimal pro Nacht, diejenigen obdachlosen Menschen auf, die sich an den am meisten gefährdeten Orten aufhalten. Ein Problem bei der Kontakhaltung ist, dass unsere Klienten – infolge der Lebensweise auf der Straße – regelmäßig ihren Aufenthaltsort wechseln und mitunter für längere oder kürzere Zeit aus unserem Gesichtskreis verschwinden, weshalb ihre Zahl auch schwer bestimmbar ist. Im Jahr 2006 haben wir mit insgesamt 200 Menschen Kontakt aufgenommen, täglichen Kontakt halten wir zu 50-70 Personen.
Wir haben mit den auf den Straßen und Plätzen des Bezirks lebenden Menschen ständigen Kontakt gehalten und ihnen aus dem Kleiderdepot der Organisation Bekleidung, Decken, Schlafsäcke sowie aus der Volksküche warmen Eintopf gebracht. In jedem Fall haben wir die Dienste der Organisation angeboten, die unserer Erfahrung nach von immer mehr Personen in Anspruch genommen werden.
Im Verlauf des Jahres erhielten wir auch die Möglichkeit, die in ein einem schlechtem Gesundheitszustand befindlichen Klienten, die jedoch noch keine Versorgung im Krankenhaus benötigen, mit dem Auto der Organisation in unsere Einrichtung zu transportieren. Die in einem sehr schlechten Gesundheitszustand befindlichen, stationäre Behandlung benötigenden obdachlosen Menschen werden vom Sozialen Rettungsdienst in die medizinischen Einrichtungen gebracht. Die zu uns gebrachten Obdachlosen kommen vorwiegend in unsere Rekonvaleszenzstation, wo sie täglich 3 Mahlzeiten erhalten und durchgehend medizinisch betreut werden. Die Mitarbeiter des Sozialbüros nehmen mit ihnen Kontakt auf und erledigen amtliche Angelegenheiten. Meistens müssen Dokumente beantragt werden und wir bemühen uns, bei der Eingewöhnung in die Einrichtung Unterstützung zu geben. Trotz großer Bemühungen ist es nicht immer möglich, diese dauerhaft auf der Straße lebenden Menschen dazubehalten.  
Einen wichtigen Hintergrund bildet die durchgehende Arbeit des Sozialen Rettungsdienstes, die Möglichkeit der Inanspruchnahme der Rekonvaleszenzstation, sowie der 24-stündige ärztliche Bereitschaftsdienst, zu dem regelmäßig solche Personen kommen, die zu anderen Versorgungseinrichtungen kein Vertrauen haben.


Zielgruppen der Straßensozialarbeit im V. Bezirk:

  • in erster Linie obdachlose Männer und Frauen,

  • kranke, medizinische Pflege benötigende, mental geschädigte Menschen, Psychiatriepatienten, behinderte Menschen

  • Suchtkranke, vor allem mit Alkoholproblemen,

  • sich herumtreibende Jugendliche, Menschen ohne Beziehungen und familiären Hintergrund,

  • Menschen, die aus familiären Krisensituationen flüchten und sich vorübergehend auf der Straße aufhalten,

  • Menschen, die allein, mit ihrem Partner oder in einer Gruppe in leerstehenden öffentlichen Gebäuden und Plätzen oder anderen nicht als Wohnung geeigneten Orten wohnen.

Unsere Arbeit erstreckt sich auf folgende Aufgaben:

  • Erkundung und Erfassung des Gebietes, Anfertigung einer Karte zur Auffindung der Personen, Erfassung des mentalen, körperlichen und gesundheitlichen Zustandes der auf der Straße lebenden Menschen,

  • Kontaktaufnahme zu den Klienten, einerseits zu denjenigen, die die sozialen und medizinischen Einrichtungen in der Dankó utca 9 und 15 aufsuchen (Prävention, Herstellung von Beziehung, Durchführung von Einzelinterviews, helfende Arbeit), andererseits zu denen, die auf öffentlichem Gelände leben. Ziel der Kontaktaufnahme ist, die Art der Zusammenarbeit, die Bedürfnisse und den Zustand der obdachlosen Person kennenzulernen und im Bedarfsfall sofortige Maßnahmen einzuleiten.

  • Beratung, Problemlösung: in erster Linie Mobilisierung der eigenen Ressourcen; Ermittlung, was die Person für die Verbesserung der Lebensführung tun kann; Erkundung der Möglichkeit und des Bedürfnisses, Dienste fallweise in Anspruch zu nehmen; Antwort auf konkrete Fragen; Erfüllung von Bitten

  • Hilfe in Form von Naturalien, im Bedarfsfall Inanspruchnahme des sozialen Rettungsdienstes, Organisieren der Einlieferung in eine soziale oder medizinische Einrichtung, Befriedigung von grundlegenden physischen und mentalen Bedürfnissen (Essen, Medikamente, Bekleidung, warme Zudecke, usw.)

  • amtliche Angelegenheiten: bedarfsgemäße Beantragung von Unterstützung, Beantragung von Dokumenten, Vertretung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Unterstützung beim Kontakt mit der Familie und Freunden,

  • Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit: Eine gute Kontaktaufnahme ist die Grundlage dafür, dass wir im Verlauf der weiteren Zusammenarbeit die obdachlosen Menschen durch Einzelfallhilfe in die Lage versetzen, grundlegende Hilfe und Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, sowie Mindestnormen des Zusammenlebens zu befolgen. Dies heißt, ihr eigenes Umfeld in Ordnung zu halten, Rücksicht auf andere zu nehmen und in der Gruppe gegenseitige Hilfe zu leisten (nicht nur aus Eigeninteresse, sondern mit der Absicht der helfenden und unterstützenden Kooperation).

  • Im Bedarfsfall sofortige Intervention: Unser Dienst bringt den in schwerer Krisensituation befindlichen Menschen in unser medizinisches Zentrum oder ein Rettungswagen bringt ihn ins Krankenhaus.

Die Arbeit wird von dem institutionellen Hintergrund unterstützt. Wir haben täglichen Kontakt zu den Mitarbeitern der sozialen und medizinischen Einrichtungen des Karitativen Vereins Oltalom, des Weiteren wird unsere Arbeit durch Teambesprechungen und Supervision unterstützt.